Fidele Dörp: Musik in St. Augustinus

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30 Jahre „Musik in St. Augustinus“

Faszination der Orgel in der Gegenwart und Zukunft

In der dritten Talkrunde "Talk am Turm" in der St. Augustinuskirche am Sonntag, 16. September 2018, war der Orgelbaumeister Georg Schloetmann zu Gast bei Winfried Dahn. Zusammen mit dem musikalischen Gast des Abends, Prof. Thomas Lennartz, wurde über das Thema "Faszination der Orgel in der Gegenwart und Zukunft" diskutiert.

Winfried Dahn, Georg Schloetmann und Prof. Thomas Lennartz (v.l.)
Winfried Dahn, Georg Schloetmann und Prof. Thomas Lennartz (v.l.)

1838 von Philipp Furtwängler gegründet, übernahm 2011 Georg Schloetmann die traditionsreiche Orgebauwerkstatt, die ihre Räume heute auf einem alten Gutshof in Hiddestorf hat. In diesem Jahr konnte die Firma, die seit 1937 "Email Hammer Orgelbau" heißt, ihr 180jähriges Bestehen feiern.
Mit sieben Mitarbeitern betreut der Orgelbaumeister nicht nur bestehende Orgeln bei Sanierungen, Reparaturen und Wartungen, wie seit drei Jahren die Lobback-Orgel der St. Augustinuskirche, sondern baut auch neue Orgeln, obwohl dies immer weniger häufig vorkommt, wie er bei einem Werkstattbesuch erklärte.

Orgelbaumeister Georg Schloetmann erklärt das Prinzip der Pfeifenorgel
Orgelbaumeister Georg Schloetmann erklärt das Prinzip der Pfeifenorgel beim Tag der offenen Tür in seiner Orgelbauwerkstatt am 09.09.2018

Ende 2017 wurde die Orgel von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Georg Schloetmann: "Bei einem Besuch in der Werkstattschule Hiddestorf an einem Nachmitag sollte ich etwas über Orgeln erzählen. Und ich fragte, was hat die Orgel und eine Pizza gemeinsam? Beide haben es in die Tagesschau geschafft, weil sie als Kulturerbe anerkannt wurden!"
Er fuhr fort, dass diese besondere Auszeichnugn nicht nur für das Instrument sondern auch für die Orgelmusik gilt. Dieses beinhalte aber auch eine Mahnung, weil alles, was auf der Liste der schützenswerten Dinge stände, auch bedroht sei. "Deshalb müssen wir dafür kämpfen, dass die Orgel immer präsent ist!", so Schloetmann abschließend.

Georg Schloetmann
Georg Schloetmann

Winfried Dahn: "Ich bin seit 55 Jahren auf der Orgel. Ich empfinde die Orgel häufig in der Defensive, wenn es heißt - z. B. bei der Firmung, auch wenn der Bischof kommt - das machen wir ohne Orgel, die Gitarre reicht! Kleiner Gott mit Klampfe, großer Gott mit Orgel. Ist es Realität, dass die Menschen die Orgel nicht mehr so topp finden?"

Georg Schloetmann findet damit sei die Zielgruppe verfehlt. Er bekomme es öfter mit, dass gerade bei Familiengottesdiensten, wenn viele Kinder zu erwarten seien, die Orgel schweigt.
Schloetmann: "Vielleicht übersteigt es die Möglichkeiten der ein oder anderen Gemeinde zwei Musiker, eben den Gitarristen und zusätzlich einen Organisten, zu organisieren. Aber man sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen gerade den Kindern die Orgel als Kulturgut nahe zu bringen, da diese dafür sehr empfänglich sind."

Winfried Dahn berichtete dann, dass er häufiger auch schon Orgelführungen für Kinder ab fünf Jahren durchgeführt habe.
Dahn: "Die Erzieher sagen mir häufig im Vorgespräch 'bitte nicht länger als eine halbe Stunde, dass halten die Kinder sonst nicht aus'. Nach zwei Stunden muss ich Schluss machen, weil die Kinder nicht von der Orgel weg zu bekommen sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dieser Naturklang Menschen die ohne Vorurteile sind - wie Kinder - diesen Klang wunderschön finden. Die Orgel hat eine Tradition von tausenden von Jahren, die wir verteidigen müssen. Geben Sie diesem Projekt eine Chance?"

Georg Schloetmann: "Natürlich! Ein Hoffnungsschimmer ist das neues Gesangbuch der katholischen Kirche. Hier sind viele neue geistliche Lieder eingeflossen, die es dem Organisten ermöglichen dies auf der Orgel auch zu Gehör zu bringen. Was sagt der Organist dazu?"

Georg Schloetmann und Prof. Thomas Lennartz (v.l.)
Georg Schloetmann und Prof. Thomas Lennartz (v.l.)

Prof. Thomas Lennartz: "Im Dom und Kathedrale gibt es den kleinen und großen Gott nur mit Orgel! Gitarrenklänge habe ich hier noch nicht erlebt."
Er habe zwar auch schon mal einen Gospelchor geleitet und von daher sei ihm die Popularmusik nicht fremd. Man könne nicht leugnen, dass diese Entwicklung an der Hochschullandschaft nicht vorbei gehe. Ganze evangelische Landeskirchenkirchen seien zur Popularmusik übergelaufen und sogar ein Popularkirchenmusikstudium sei gefordert aber nicht realiesiert worden, da die katholische Seite keinen Bedarf sah. Er selbst sei aber nicht abgeneigt auch gelegentlich die Popularmusikschiene zu bedienen. Nur wenn dies ausschließlich gefordert sei, wäre dies ein Problem für ihn.

Winfried Dahn sagte abschließend: "Sie machen mir Mut. In Zukunft wird es zwar schwieriger werden Bewußtseinsänderungen zu erreichen. Wir sind jedoch auf einem gutem Weg, wenn ich unser Gespräch zusammenfasse, die Orgel steht doch nicht so im Abseits, wie man es vielleicht fühlt."

Gut besuchte Kunstkirche St. Augustinus
Gut besuchte Kunstkirche St. Augustinus

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Artikel: Oliver Nöthel, Fidele Dörp
Fotos: Oliver Nöthel, Winfreid Dahn
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