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Für welchen Preis kaufen wir die Schnitzel ein?

Anlässlich des Spargelessens der CDU-Ortsverbandes Ricklingen-Wettbergen-Mühlenberg am Samstag, 2. Juni 2018 sprach Volker Hahn, Vorsitzender des Landvolks Hannover e. V., über Ackerbau und Viehzucht im Spannungsfeld von Politik, Medien und den Märkten.

Volker Hahn betreibt mit seiner Familie einen Hof in Hagen, einem Ortsteil von Neustadt am Rübenberge, mit Ackerbau (Kartoffeln) und einem Schweinemaststall mit 1.500 Tieren. Das CDU-Mitglied ist der Vorsitzende des Landvolk Hannover und vertritt die Interessen von rund 3.500 Mitgliedern (Vereinsangabe) gegenüber der Politik, der Presse und den Behörden in der Region Hannover.
Mit seinem rund 40-minütigen Vortrag wolle er vor allem die lokale Landwirtschaft „bekannt machen, Diskussion anregen und auch Widerspruch herauszufordern“. Dabei spannte er den Bogen über die großen Themengebiete Politik, Medien, Markt und Umweltschutz.
Volker Hahn: „Interessant für mich ist mitzubekommen: Wie ist das denn in der Stadtgesellschaft die recht weit weg ist von der Landwirtschaft? Wie ticken die eigentlich? Verstehen sie überhaupt wie wir denken, welche Probleme wir haben? Ist denen das alles eigentlich egal oder vielleicht haben sie sogar Verständnis und wundern sich warum sie verschiedene Dinge, Zusammenhänge gar nicht kennen?“

Vorsitzende des Landvolk Hannover, Volker Hahn
Der Vorsitzende des Landvolk Hannover, Volker Hahn

Volker Hahn beschreibt gleich zu Beginn seiner Rede die Akteure, die sich mit ihren jeweiligen Interessen gegenüberstehen: Die Politiker in Land, Bund und EU setzen die Rahmenbedingungen in den sich die Landwirte vor Ort dann bewegen müssen, dem gegenüber stehen Interessenverbände und dazwischen die Medien.
Volker Hahn: „In den Nachrichten konnte man in den letzten Tagen hören, dass die EU-Kommission die zukünftige Ausrichtung der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2020 bekannt gegeben hat. Der Agraraufwand soll gekürzt werden, da die Briten die EU verlassen. Dies ist ein Posten, wo viel Geld bewegt wird. Diese Direktzahlungen sind für die Landwirte sehr bedeutend, da sie bis zu 50% des Gewinns der Landwirte ausmachen. Das wird von den Medien und anderen Interessenverbänden sehr intensiv begleitet. Diese Interessenverbände sähen gerne, vor allen Umweltverbände, dass das Geld der GAP in andere Bereiche fließt. Sie betreiben effiziente Öffentlichkeitsarbeit und schaffe es - im Gegensatz zu der Landwirtschaft - immer wieder markante Botschaften in den Medien zu platzieren. Schlagworte sind da Großbetrieb, Kleinbetrieb, Biobetrieb und konventioneller Betrieb.“

Weitere beschreibt er, wie kleine Betreibe sich immer öfter zu einer GBR oder GmbH zusammenschlössen, um überleben zu können. Volker Hahn: „Natürlich tauchen sie in der GAP und bei den Zahlungen aus Brüssel nur als ein Betrieb auf, man erkennt nicht, dass dahinter fünf oder sechs Familien stehen, die davon leben. Dies zeigt, wie schwierig es ist, schon solche banale Sachverhalte der Politik oder einer Gesellschaft klar zu machen, wenn man sagt: „Die Großen kriegen so viel Subventionen, die brauchen das nicht!“ Nein, es trifft dann die einzelnen Familienbetriebe, die in solch einer Gemeinschaft zusammen wirtschaften.“

An der Diskussion um die neue Düngeverordnung machte Volker Hahn klar durch welche Versäumnisse die Landwirtschaft Schwierigkeiten hat ihre Interessen durchzusetzen: „Wie kriegen wir unsere Probleme/Anliegen, dass was wir in der Düngeordnung anders haben wollen, medial platziert. Und da ist jetzt die Frage, wie vertrauensvoll sind wir? Da muss man selbstkritisch sagen, wir haben in der Vergangenheit, vielleicht 10-15 Jahre zurück, sicherlich übertrieben, als die vielen Biogasanlagen gebaut wurden, haben wir es als Landwirtschaft versäumt klar zu sagen, dass die entstehenden Gärreste, die in diesen Anlagen entstehen, natürlich auch Düngemittel sind.“
„Wenn eine Düngeverordnung zur Gülleverordnung wird, dann wird nicht mehr sachlich diskutiert, sondern dann geht es nur noch um Schlagzeilen und wer kann sich am Besten profillieren. Wer die Umwelt schützen will, der ist natürlich immer der Gute. Die Umwelt schützen wollen wir auch.“, so der Landvolkvorsitzende abschließen dazu.

Beim Umweltschutz sprach Volker Hahn ausführlich über das Pflanzenschutzmittel Glyphosat: „Ich will Ihnen mal sagen, warum der Bauernverband so vehement für diesen Wirkstoff gekämpft hat und warum wir auch keinen Sinn darin sehen diesen Wirkstoff komplett zu verbieten.“

Er fuhr fort, es sei mit der Angst vor Genmanipulation gespielt worden, die hier gar keine Rolle spiele, das Mittel würde im Boden vollständig abgebaut und es lasse sich oder seine Abbauprodukte dann gar nicht mehr nachweisen.
Volker Hahn: „Glyphosat versetzt Landwirte auf schwierigen Böden in die Lage diese Böden naturschonend zu bewirtschaften. Der viel beschriebene Pflug hat sein Gutes, aber auf bestimmten Böden hat er auch sein ganz Schlechtes. Wir haben seit 25 Jahren Anbaumethoden entwickelt auf Böden auf denen der Pflug eigentlich nicht das beste Mittel ist und diese Anbaumethoden werden sich da nur halten können, wenn wir ein Totalherbizid wie Glyphosat einsetzen können. Nicht jedes Jahr, weil wir verschiedenen Früchte anbauen, aber alle drei bis vier Jahre brauchen wir dieses Totalherbizid.“

Im Weiteren ging der Vorsitzende des Landvolks auch auf das Bienensterben ein, bei dem Insektizide, sogenannte Nikotinoide, wohl eine Rolle spiele: „In einer Beize stecken 10 bis 20 g dieses neonikotinoiden Wirkstoffs. Damit schütze ich die Pflanze in den ersten Wochen vor möglichen Befall von Läusen. Und jetzt ist die spannende Frage - und das würden wir gerne untersuchen wollen als Bauernverband – wie lange ist denn dieser Wirkstoff in der Pflanze? Wie stark verdünnt sich dieses bisschen Wirkstoff in der Pflanze? Und hat das dann noch Einfluss auf die Bienen, wenn die Rübe groß ist? Und wenn wir das untersuchen und das feststellen, dann gehören diese Mittel nicht auf Acker, das ist da keine Frage.“

Zum Abschluss der Rede sprach Volker Hahn noch über sein ureigenstes Unternehmen, die Schweinemast: „Für welchen Preis kaufen wir die Schnitzel ein? Ich als Landwirt biete Ihnen alles an. Ich biete ihnen ein Schwein an, wo das Schnitzel 99 Cent kostet, ich biete Ihnen genauso auch ein Schwein an, wo das Schnitzel 1,99 Euro kostet. Da habe ich als Landwirt kein Problem mit. Aber was nicht geht ist zu sagen, halte Dein Schwein so, wie das Schnitzel bei 1,99 Euro kosten würde, aber wir zahlen nur 99 Cent.“

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