ARV

[Zurück][Übersicht][Gästebuch][Email][Email Formular][Newsletter][Chat][Suche][Impressum]

Die Nutzung von Sporthallen und das Projekt Schünemannplatz - Jahreshauptversammlung 2006 der ARV

Das Projekt Schünemannplatz

Gereon Visse vom Fachbereich Planen und Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Hannover und Harald Bremer, Geschäftsführer des Karl-Lemmermann-Hauses, berichteten von den ersten Erfahrungen mit dem Projekt Schünemannplatz und den weiteren Vorgehensweisen, um eine einvernehmliche Nutzung des Platzes für alle Gruppen zu gewährleisten.

Auf Stadtseite sei eine dezernatsübergreifende Arbeitsgruppe "Alkohol auf öffentlichen Plätzen" gegründet worden, die sich mit aktuellen Problemen (z. B. in Ricklingen mit dem Schünemannplatz), aber auch mit der Entwicklung einer grundsätzlichen Vorgehensweise beschäftige, so Gereon Visse zu Beginn seiner Ausführungen. Zur Zeit sei die Situation auf dem Schünemannplatz eher als ruhig zu bezeichnen, was aber größtenteils den Witterungsbedingungen zuzuschreiben sei.

Im November wurde in Zusammenarbeit mit dem Karl-Lemmermann-Haus in Oberricklingen ein dreimonatiges Startprojekt begonnen, das zwei Ziele verfolgen sollte: erst Kontakte zu den unterschiedlichen Nutzergruppen herzustellen und im Weiteren diese mit Rechten und Pflichten zu integrieren.
Über das Startprojekt hinaus, da der Zeitraum von drei Monaten nicht ausreichte alle Ziele zu erreichen, sollen weitere Maßnahmen und Anstrengungen seitens der Stadt, dem Karl-Lemmermann-Haus, einem Parkranger und der Polizei unternommen werden. So soll z. B., um die Verschmutzung des Platzes in Grenzen zu halten, die Toilettenanlage im Mai 2006 den Nutzergruppen unentgeltich zugänglich gemacht werden, durch eine bessere Beschilderung des Spielplatzes diesen eindeutig zum Tabubereich für Alkohol, Drogen und Hunde zu erklären und allgemein die Kontrollen zu verstärken.
Gereon Visse: "Die Arbeitsgruppe 'Alkohol auf öffentlichen Plätzen' soll auch nach der Wahl weiterbestehen. Nicht nur die Stadt allein kann die Begleitung der Maßnahmen leisten, alle Nutzer und Anwohner sind dazu aufgerufen, mit zu helfen Strukturen zu schaffen, damit der Platz unter Kontrolle bleibt."

Harald Bremer, Leiter des beim Startprojekt federführenden Karl-Lemmermann-Haus, konkretisierte im Anschluss die vier problematische Nutzergruppen des Schünemannplatzes: Alkoholiker, Drogenabhängige, Migranten und Jugendliche. Besonders die substituierten Drogenabhängigen treten deutlich mit ihrem Revierverhalten in Erscheinung, was andere Nutzer stark abschrecke, erläuterte Harald Bremer. Seit Jahresanfang habe sich außerdem die Zahl der Jugendlichen auf dem Platz verdreifacht, was auch überwiegend mit dem besser werden Wetter zusammenhänge.

Das erste Ziel des Projektes, Kontakt zu den Nutzergruppen herzustellen, war über die Wintermonate sehr erfolgreich; im Besonderen zu den ersten beiden Gruppen, den Alkoholikern und den Suchtkranken. Nun aber würden sich die Gruppen neu aufstellen, zumal Migranten und Jugendliche nun verstärkt auftreten. Ein kontinuierlich guter Kontakt sei so nur schwer aufrechtzuerhalten oder - besonders zu den neuen Nutzern - schwerer herzustellen.

Die gefühlte Bedrohung von Benutzern des Platzes außerhalb der vorgestellten Gruppen sei größer als die tätsächliche Gefahr. So werden auf dem Schünemannplatz überwiegend Ordnungswidrigkeiten begangen, die aber eher Mitglieder der vier Nutzergruppen selbst betreffen, erklärte Harald Bremer.

Eine Überwachung des Platzes sei aber notwendig, fuhr Bremer fort und er regte an, diese könne, neben dem Parkranger, auch durch 6-10 neugeschaffene 1-Euro-Jobs (an Werktagen und samstags von 9 - 22 Uhr) gewährleistet werden. Diese sollten neben der Gewaltprävention auch im Fall der Fälle Erste Hilfe leisten können. Es müsse außerdem ein fester Ansprechpartner für alle Belange des Schünemannplatzes eingesetzt werden.
Harald Bremer: "Die Anwohner sollen sich den Platz zurückerobern. Wir wollen dazu ein Netzwerk installieren und werben um Ihre Unterstützung, wobei ich besonders die Kirchen und Vereine ansprechen möchte!"

Reaktionen

Albert Koch, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bezirksrat Ricklingen und Bezirksbürgermeister-Kandidat, freute sich über das besondere Engagement des Oberricklinger Karl-Lemmermann-Hauses sich für eine Lösung der schwierigen Situation auf dem Schünemannplatz einzusetzen. Er gab an, dass aufgrund der Verhältnisse schon Vermietungen von Immobilien nicht zustande gekommen seien.

Arnold Wittke, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Ricklingen: "Vorher wurde viel geredet. Jetzt ist endlich ein Konzept da. Weiter so!"

Ratsherr Johannes Löser (SPD) schlug vor, das Gelände am Friedländer Weg, wo auch am Wochenende die Substitution erfolge, so herzurichten, dass die Suchtkranken hier verbleiben und sich nicht am Schünemannplatz sammeln. Harald Bremer erwiderte, dass es in der Stadt bereits schlechte Erfahrungen mit Konzentrierung der Gruppe gegeben habe. So würde dies zur Entstehung einer festen Szene führen, was weitere Probleme nach sich zieht. Außerdem würde eine angeordnete Verlagerung als Diskriminierung empfunden.

Klaus Dieter Scholz, Ratsherr und Vorsitzender der CDU Ricklingen, prangerte die Vergabepraxis von Drogenersatzmitteln an, die von der Kassenärztlichen Vereinigung organisiert wird und die diese in die Pfarrstarße verlegt habe, ohne die Konsequenzen für den Stadtteil Ricklingen zu bedenken.

Andreas Markurth, Bezirksbürgermeister-Kandidat der SPD Ricklingen, fragte zum Abschluss, welche Ziele für die Verlängerung des Projektes Schünemannplatz bis Ende September 2006 gesetzt wurden. Es soll ein Grundgerüst errichtet werden, in dem die Rechte und Pflichten der Nutzer geregelt werden, antworte Harald Bremer. Weiter soll es Veranstaltungen geben, die dazu führen sollen, das alle Bügerinnen und Bürger den Platz nutzen und ihn so zu ihrem Platz machen.

« Teil 1: Die Nutzung von Sporthallen

Arbeitsgemeinschaft Ricklinger Vereine
Teil 1: Die Nutzung von Sporthallen
Teil 2: Das Projekt Schünemannplatz
Links & Adressen
ARV
Artikel: Fidele Dörp
Hettwer/Nöthel 2006