Hochwasserschutz & Deichsicherheit

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Nicht viel Neues am Deich

Die Zuschauerränge waren am Donnerstag, 9. Februar 2006, im Fritz-Haake-Saal, bei der ersten regulären Sitzung des Bezirksrates Ricklingen in diesem Jahr, gut gefüllt.
Bezirksbürgermeister Werner Bock (SPD) hatte angekündigt, bei dieser Sitzung die Themen Deichsicherheit und Hochwasserschutz ausführlich zu behandeln, nachdem die Wellen im Stadtteil Ricklingen, nicht nur während zwei vorangegangener Veranstaltungen der CDU Ricklingen und der SPD Ricklingen im letzten Jahr zum gleichen Thema, hochgeschlagen waren.

Seitens der Stadt waren Fachleute geladen worden, die den Bezirksratsfrauen und -männern sowie den Einwohnern in einer Fragestunde Rede und Antwort stehen sollten.
Zuvor referierte Jens Pohl, Koordinator für den Hochwasserschutz in Hannover im Fachbereich Tiefbau, über die Anfang Dezember 2005 erschienene Informationsdrucksache Nr. 2518/2005 zum Sachstand des Hochwasserschutzes in der Landeshauptstadt. Außerdem informierte Dipl.-Ing. Hans-Joachim Klüschen über die Standsicherheit des Deiches, die er in einer Untersuchung des Querprofiles und mittels Bodenproben im Auftrag der Stadt Hannover überprüft hatte.

"Die SPD-Fraktion hat sich schon frühzeitig für die Deichsicherheit und den Hochwasserschutz eingesetzt.", erklärte ihr Vorsitzender, Frank Weber, in einer Stellungnahme. Diese Bemühungen, nicht nur durch den Bezirksbürgermeister Werner Bock, hätten nun in Gestalt der Informationsdrucksache ihren Niederschlag gefunden und seine Fraktion würde dieser voll zustimmen. Als Kritikpunkt betrachte er allerdings die ungenauen Aussagen zur Realisierung und Finanzierung der Bauvorhabens.
F. Weber: "Hier werden wir am Ball bleiben!"

Albert Koch, Vorsitzender der CDU-Fraktion, bemerkte, dass nicht viel Neues in den Ausführungen zu finden sei. Schon seit 1964 sei schließlich eine Verbreiterung der Benno-Ohnesorg-Brücke vorgesehen, bis heute lägen aber noch keine konkreten Pläne vor.
Die Erstauflage des Ricklinger Deichfestes 1996 war ein Versuch gewesen auf die ernste Lage mit anderen Mitteln hinzuweisen. Die Verwaltung hätte aber auf Anfragen regelmäßig mit "Der Deich ist dicht!" geantwortet und erst die Beinahekatastrophe 2003 hätte die Stadt wachgerüttelt und auf die Ängste der Bevölkerung mittels der jetzt vorliegenden Informationsdrucksache reagieren lassen.

Für die Grünen freute sich der Einzelvertreter Dietrich Jahn, dass der Hochwasserschutz in Angriff genommen werde. Die Bevölkerung habe sich 50 Jahre hinter dem Deich sicher gefühlt, sie sei es aber nicht gewesen. Viele Fragen seien in der Informationsdrucksache "Hochwasserschutz in Hannover" für ihn noch nicht ausreichend geklärt, so z. B. über die Finanzierung der Bauvorhaben, die er aber im Interesse der Bevölkerung Ricklingens mit klären will.

In der anschließenden Einwohnerfragestunde wurde zwar seitens der Anwohner Freude darüber geäußert, dass sich nun die Stadt und der Bezirksrat des Themas annimmt, aber viel Neues und vor allem Konkretes hätten sie nicht gehört. Die angedachten Problemlösungen sind immer noch in der Beratung und mit der Realisierung, besonders der großen Bauvorhaben, ist erst in einem Zeitrahmen von 5 Jahren zu rechnen.
Auf die Frage, was bis dahin geschehe, denn die Hochwassergefahr stelle sich ja jedes Jahr wieder ein, wurde nur ausweichend geantwortet und auf die bau- und wasserrechtlichen Prüfverfahren verwiesen, die eben einige Zeit in Anspruch nähmen.

Fidele Dörp

Standfestigkeit des Deiches

Gast schrieb am 13.Feb.2006 19:59:54 im Forum:
Auch wenn Herr Klüschen in seiner Untersuchung zu dem Schluß gekommen ist, daß der Deich dicht und auch über längere Hochwasserzeiträume standfest sei, habe ich doch gewisse Zweifel, denn der Deich ist zumindest stellenweise von Maulwurfshügeln übersät. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß durch die Gänge Wasser zur Innenseite des Deiches fließern kann und die Maulwurfhügel selber die Erosion am Deich begünstigen könnten, weil dort die Grasschicht beschädigt ist.
In diesem Falle frage ich mich, was man gegen diese wühlenden Insektenfresser unternehmen will, weil sie unter Naturschutz stehen...
Arne

Ricklinger Deich - Hochwasserschutz

Wenn ich im Freundeskreis außerhalb Hannover einmal unseren "Ricklinger Deich" erwähne, ernte ich meist ungläubige Blicke. Nun, wer die Gebiete nahe Ihme, Leine und Beeke nach stärkerer Schneeschmelze schon einmal gesehen hat, weiß warum der Deich so wichtig ist, welchen Anforderungen er standhalten muß, um Schäden abzuwenden.

Dies kam auch deutlich bei der 36. Bezirksratssitzung Ricklingen zum Ausdruck, vom Bezirksrat wie auch in der anschließenden Bürgerfragestunde. Die öffentliche Diskussion hat in Ricklingen nicht erst nach dem Hochwasserereignissen an Elbe und Oder hohe Priorität erhalten. Gerade ältere Einwohner in diesem Stadtteil erinnern sich mit Schaudern an das Jahrhundert-Hochwasser 1946, bei dem große Teile Ricklingens überflutet waren und immense Schäden anrichtete. Das hat die Bewohner des Stadtteils natürlich sensibilisiert.

Die Anforderungen an einen wirksamen, vorbeugenden Hochwasserschutz sind gestiegen.
Außer den regelmäßigen technischen Überprüfungen der bestehenden Hochwasserschutzeinrichtungen wurden Untersuchungen seitens der Verwaltung durchgeführt, um Maßnahmen zur Verbesserung weiterer Schutzeinrichtungen entlang der gefährdeten Gebiete treffen zu können. Außer mehreren Bereichen der Stadt, die sich mit diesem Thema befaßt, ist auch die Region / Süd-Niedersachsen involviert und aktiv, denn immerhin ist der Zufluß durch Leine und Innerste vom Harz her nicht zu unterschätzen. Talsperren und Rückhaltebecken unterstützen die Schutzmaßnahmen, sind aber letztendlich nicht ausreichend.

Besondere "Nadelöhre" befinden sich an der Ihme (Bereich Hautklinik) und Nahe Schwarzen Bären, wo sich das Wasser staut. Daher ist ein Ausbau der Benno-Ohnesorg-Brücke geplant, um schnellere Abflußmöglichkeiten zu schaffen. Allein diese Maßnahme ist mit erheblichen Kosten verbunden.

Auf Befragung wurde seitens der Feuerwehr / Katastrophenschutz ausgeführt, daß ein Alarmplan vorliegt, nach dem bei bestimmter Pegelhöhe verfahren wird, auf Möglichkeiten der Benachrichtigung hingewiesen, die sich allerdings bei den ebenfalls im Bereich befindlichen Kolonien sehr schwierig gestalten kann. Auch für einen Ernstfall sind eine Vielzahl an Sandsäcken vorhanden, deren Lagerungsorte benannt wurden. Geschultes Personal steht bei der ‚Deichverteidigung' zur Verfügung.

Für den Zuhörer war es nicht immer verständlich, daß Prüfungsergebnisse und Vorschläge der Stadt sowie Erkenntnisse der Bezirksräte und Anwohner vor Ort über Mängel und zu treffende Schutzmaßnahmen nicht gerade immer im Einklang standen und somit unter-schiedliche Einschätzungen abgegeben werden. So mag es durchaus für Anwohner besorgniserregend sein, wenn Wasser aus dem Deich austritt, was nach Aussage der Stadt aber normal ist, solange keine Ausschwemmungen erfolgen. Auch über das verwendete Baumaterial klang an, daß ja schließlich außer Sand auch Schutt für den Deich verwendet wurde. Hier wurde seitens der Stadt erwidert, daß eine Prüfung aufgrund ungünstigster Voraussetzungen / Ansätze stattgefunden haben, mit dem Ergebnis, daß die Standsicherheit gewährleistet ist. Allerdings konnte die Frage nach der Sicherheit des Deiches, ob er einem HQ 100 standhalten würde, nicht konkret beantwortet werden.

In der Bürgerfragestunde wurde noch einmal deutlich von den Fragestellern herausgestellt, daß man nach dem Besuch der insgesamt 3 Veranstaltungen zu diesem Thema das Empfinden hat, daß sich die Stadt nicht in dem gebotenem Maße mit dem Hochwasserschutz in Ricklingen befaßt. Bei den vorangegangenen Informationsstunden wären leider teilweise recht konträre Aussagen zu denen bei der Bezirksratssitzung gemacht worden.

Was die Zeiträume für den Beginn weiterer baulicher Schutzmaßnahmen anbelangt (Ende 2007 soll mit den ersten Maßnahmen begonnen werden) wurden aufgrund von Erfahrungen ziemliche Zweifel geäußert.

Die Befürchtungen der Ricklinger Bürger sind, wenn die Deiche zu niedrig sind, im Ernstfall Ricklingen ‚vollläuft'. Das wäre dann nicht mehr mit "natürlichem Überschwemmungsgebiet" erklärbar.

Ja, nun heißt es abwarten! Wobei natürlich keiner von uns den Ernstfall herbeisehnt, um prüfen zu können, ob alles wie vorhergesagt auch eintrifft. Lieber ist uns schon ein fröhliches Beisammensein bei einem der Deichfeste.

Liselotte Loft
15. Februar 2006

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