Konzept

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Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen
Konzept zur einvernehmlichen Nutzung des Schünemannplatzes

In der Bezirksratssitzung am Donnerstag, 17. November 2005 wurde die Verwaltung der Stadt Hannover einstimmig aufgefordert dieses Konzepts zur einvernehmlichen Nutzung des Schünemannplatzes - erarbeitet vom Karl-Lemmermann-Haus - Sozialpädagogisch betreutes Wohnen - e.V. - umzusetzten
Bei diesem vorliegenden Konzept handelt es sich um die Diskussionsgrundlage, die für die Beratung im Bezirksrat Ricklingen genutzt wurde..

Der hannoversche Stadtteil Ricklingen hat 12.750 Einwohner (Stand: Januar 2005) und liegt im Osten des gleichnamigen Stadtbezirks. Im Zentrum des Stadtteils, an der Straßenkreuzung Ricklinger Stadtweg/Pfarrstraße befindet sich der Schünemannplatz. Der Platz von Wohnungsbau sowie zwei Hauptverkehrsstraßen und auf zwei Seiten fast durchgehend von Ladengeschäften auf der jeweils gegenüberliegenden Straßenseite umgeben. Durch die guten Einkaufsmöglichkeiten sowie die Stadtbahnhaltestelle ist ein vergleichsweise hohes Fußgängeraufkommen. Auf einer Gesamtgröße von ca. m2 bietet er mit einem Spiel- und Bolzplatz, einer offenen Parkanlage mit Bänken, einer öffentlichen Toilettenanlage sowie einer kleinen Restauration verschiedene Nutzungs- und Erholungsmöglichkeiten. Der Schünemannplatz wurde im Jahr 2001/02 neu gestaltet. Zur Übersicht ist ein Stadtkartenauszug als Anlage beigefügt.

Seit geraumer Zeit werden von Anwohnern des Platzes immer wieder Beschwerden über Lärmbelästigung, Verschmutzung des Platzes, Urinieren in der Öffentlichkeit etc. vorgebracht. Die Beschwerden richten sich überwiegend gegen Personen und Gruppen, die sich häufig bis regelmäßig auf dem Platz aufhalten, durch Alkoholkonsum und dominantes Verhalten auffallen und die, im Sinne unserer Gesamtkonzeption, als unerwünschte Nutzer bezeichnet werden können.
Nach einer Absprache mit dem Fachbereich „Stadterneuerung und Wohnen" am 21.09.2005 wurden wir gebeten, die folgende Konzeptstudie für den Bereich Schünemannplatz zu erarbeiten. Ziel des Projektes „Aufenthalt an öffentlichen Plätzen" soll es sein, einen Überblick in Art und Umfang der vorliegenden Störungen zu gewinnen sowie mit den verschiedenen Interessengruppen eine nachhaltige einvernehmliche und gemeinschaftliche Nutzung des Platzes zu erwirken. Eine bloße Vertreibung der unerwünschten Nutzer wurde ausdrücklich ausgeschlossen, da dieses das vorliegende Problem erfahrungsgemäß nur auf andere Plätze der Umgebung verlagert.

1. Bestandsaufnahme und Initialisierungsphase

Bei einem ersten Besuch des Schünemannplatzes stellte sich die Situation an einem Spätnachmittag für uns wie folgt dar:
In der Nähe des Brunnens saßen auf den dort aufgestellten Bänken ca. 12 Personen. Weitere 3-4 Personen standen in einer kleinen Gesprächsrunde in der Nähe am Brunnen. Fast alle Personen tranken Bier. Einige wenige hatten neben sich auch sog. Flachmänner mit hochprozentigem Alkohol stehen. Von den Anwesenden waren 4 Leute über 60 Jahre alt, zwei Personen über 50 und ca. 7 Personen über 40 Jahre alt.
Auf dem Mittelteil des Platzes lag ein Mann auf einer Bank und schlief. Zwei Frauen saßen biertrinkend auf einer anderen Bank und redeten miteinander. Die meisten Personen waren angetrunken, aber durchweg ansprechbar und gesprächig.

Diesem ersten Eindruck zur Folge, stellt sich die Situation für außenstehende Beobachter so dar, dass die Gruppe der Trinkerinnen die vorderen Bänke am Brunnen für sich in Anspruch genommen hat, so dass andere Personen(-gruppen) nicht mehr die Möglichkeit haben, diese zu nutzen oder sich dort nicht hintrauen. Gleichwohl handelt es sich hierbei um die zu den Einkaufsgeschäften am nächsten gelegenen Sitzmöglichkeiten, die auch für ältere und gehbehinderte Menschen attraktiv wären und zu einem zwischenzeitlichen Ausruhen einladen.

Im Gespräch mit einem Teil der Gruppe zeigte sich, dass Ihnen durchaus bewusst ist, dass sie für Anwohner und andere Platznutzerinnen ein Ärgernis darstellen. Besonders wenn viel getrunken wurde, werden sie, nach eigenem Bekunden, zu laut. Außerdem finden sie es selber zu sehr 'vermüllt' und beklagen, dass von Seiten der Stadt zuwenig Papierkörbe aufgestellt werden, bzw. seien zwei sogar abgebaut worden. Sie seien durchaus bereit in einer gemeinsamen Aktion den Müll und die 10.000 Kronkorken auf zu sammeln. Nicht bewusst ist Ihnen die Problematik, dass andere Nutzerinnen / Interessierte sich von ihnen verdrängt fühlen (In dem Gespräch zeigte sich, dass sie hiervon überhaupt keine realistische Einschätzung haben. „Wir tun ja hier keinem was und wir stören auch niemanden." Oder: „hier kann sich ja jeder zu uns setzen ...".)
Ein weiteres Problem sind die Kosten für die öffentliche Toilette. Die beteiligten Personen sagen, die Nutzung sei zu teuer, da sie sich den ganzen Tag dort aufhalten und mehrmals bezahlen müssten.

Demgegenüber steht ihr Wunsch nach einem Platz, wo sie sich ungestört treffen können, da sie es „allein zu Hause nicht aushärten".

2. Bestandsaufnahme und Ideenfindung

In einem nächsten Schritt werden sowohl noch einmal die Beschwerdeführer als auch alle anderen Nutzer und Anwohner des Platzes zu ihren Sorgen, Wünschen und Ideen bzgl. der Gestaltung und Nutzung des Platzes befragt. Denkbar sind hierzu Interviews, die durch eine schriftliche Umfrage ergänzt werden.

Ziel des Beteiligungsverfahrens ist eine für alle Personengruppen zufriedenstellende Lösung zu erreichen, die eine gemeinsame friedliche und rücksichtsvolle Nutzung aller interessierten Nutzer und Anwohner des Schünemann-Platzes ermöglicht.

3. Beteiligungsverfahren

Nach der Auswertung der Bestandsaufnahme wird zu einem gemeinsamen Treffen aller Beteiligten eingeladen. Sinnvoll ist es, wenn an diesem Treffen auch das Grünflächenamt und die Polizei (KOB) teil nimmt. Inhalte dieses Treffens sind:

4. Maßnahmen

Mögliche Maßnahmen, die wir uns zum jetzigen Informationsstand vorstellen können sind:

5. Zusammenarbeit mit anderen Diensten

Für ein Nachhaltiges Gelingen des Konzepts ist eine Zusammenarbeit und Kooperation aller zuständigen Dienste und Stellen unbedingt erforderlich. So ist es bspw. notwendig, dass die Sozialarbeit (insbesondere in der Anfangsphase) regelmäßig die Einhaltung vereinbarter Regelungen kontrolliert. Ergänzend sind regelmäßiger Austausch und Kooperation mit den Kontaktbereichsbeamten anzustreben.

Bezüglich der Pflege oder Veränderungen im Bereich der Grünanlagen sowie bei baulichen Veränderungen die Zusammenarbeit mit den städtischen Stellen erforderlich. Dabei ist es wünschenswert, dass so viele Aufgaben wie möglich von den Nutzerinnen des Platzes selbst erledigt werden.

6. Umfang der Maßnahme

  1. Initialisierung und Problemaufriss 15 Stunden
  2. Befragung und Auswertung 30 Stunden
  3. Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Beteiligungsverfahrens 20 Stunden
  4. Planung und Begleitung von baulichen Veränderung 20 Stunden
  5. Ständige Begleitung und Koordination der Maßnahmen bis zum Jahresende wöchentlich 5 Stunden x12 Wochen = 60 Stunden
  6. Dokumentation 20 Stunden

Gesamtumfang 165 Stunden

7. Kosten

Die o.g. Maßnahme wird von Dipl. Sozialpädagoglnnen des Karl-Lemmermann-Hauses durchgeführt. Die Personalkosten werden im Rahmen einer Fachleistungsstunde mit € 46,00 berechnet. Hieraus ergibt sich ein zu beantragender Satz i.H.v. € 7.590,00 für das Jahr 2005.

Die Kosten für evt. bauliche Veränderungen, sind derzeit noch nicht ab zu schätzen, da es sich in diesem Konzept nur um erste Ideen handelt und die zuständigen Fachbereiche in die Entscheidung einbezogen werden müssen.

8. Dokumentation

Die Durchführung der Maßnahme wird regelmäßig protokolliert. Der Kostenträger erhält zum Abschluss jeder Phase des Projekts (A-E) einen Bericht und wird über den weiteren Verlauf umfangreich informiert.

Hannover, den 26.09.2005

Hettwer/Nöthel 2005