| 10. Kulturspaziergang 2004 | ||
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Tilly in Ricklingen
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Zur Geschichte: Im Oktober kommt es bei Seelze zu einer mörderischen Schlacht zwischen den kaiserlichen Truppen unter Tilly und dem dänischem Heer unter Leitung von Generalleutnant Obentraut (Deutscher Michel). Tilly erringt einen Überraschungssieg, Obentraut wird dabei tödlich verwundet. (Der Sage nach soll Obentraut im Schlaf überrascht worden sein und nur mit Stiefeln, Schlafrock und Zipfelmütze bekleidet, in das Schlachtgeschehen eingegriffen haben.) Obentraut wird schwer verwundet zu Tilly gebracht, der seinen Feldscheren den Auftrag gab, ihn zu retten. Dabei sollen die inhaltsschweren Worte "Denk an das Reich, Tilly, an das Reich!" gefallen sein. Obentraut stirbt am 25. Oktober und wird in Marktkirche bestattet.
"Hanß Michell von Obentraut von May zu December General Leutenandt über die Cavellery V, Oberst, welcher ist Ao 1625 den 25 8bris vor Seelze geblieben ... in S. Georgen Kirche uffs Chor begraben." Nach der Schlacht bei Seelze, versuchte Tilly auch Hannover zu erobern, er musste sich aber hinter das Ricklinger Holz zurückziehen. Um das Herr zu versorgen mussten die Bauern im Calenberger Land große Opfer bringen, viele gaben ihre Höfe auf. (Ricklingen war wüst und leer) Zur Person "Tilly, Johann Tserclaes" (1559 - 1632) Tilly war Oberbefehlshaber der katholischen Liga-Truppen im Dienste des Kurfürsten von Bayern. Nach der Absetzung Wallensteins auf dem Reichstag in Regensburg im Jahre 1630, war Tilly bis zu seinem Tode auch Oberkommandierender des kaiserlichen Heeres. Tilly sah sich allein schon durch seine Erziehung bei den Jesuiten mit Kaiser Ferdinand II. und dem Bayernherzog Maximilian verbunden. Diese Erziehung scheint Tilly in mehrfacher Hinsicht geprägt zu haben. Aus ihm wurde ein Mensch mit fast übertriebener Selbstdisziplin, der nie auf den Gedanken gekommen wäre, andere Befehle als die seines Herzogs oder die des Kaisers auszuführen. Eigenmächtigkeiten wie sie Wallenstein ungefragt durchsetzte, Risiken wie sie Pappenheim einging oder die Hinterlist eines Piccolomini waren ihm fremd. Trotz seiner 36 Siege in großen Feldschlachten und der Besetzung und anschließender finanzieller Erpressung oder Plünderung zahlreicher Städte, hätte Tilly nie die Geldmittel bereitstellen können, die Wallenstein dem Kaiser wiederholt zur Aufstellung eines neuen Heeres vorschoss. Im Gegensatz zum politisch ambitionierten Strategen Wallenstein war Tilly ein ausgezeichneter militärischer Taktiker. Aber kein Ökonom. Er konnte seine erpreßten Gelder nicht - wie Wallenstein - durch kluges Wirtschaften oder gerissene Spekulationen vermehren. Tilly trank nicht, schlief (so hieß es) mit keiner Frau und betete (wie übrigens auch sein großer Widersacher, der Schwedenkönig Gustav Adolf) vor jeder Schlacht. Beide waren davon überzeugt, Gott auf ihrer Seite zu haben. Diese widersprüchliche Frömmelei zwischen militärischer Praxis und moralischem Anspruch machte Tilly bei seinen Soldaten nicht gerade beliebt.
Die Landsknechte konnten vielleicht noch einsehen, dass an den Abenden vor einer Schlacht die Marketenderwagen mit ihren Alkoholvorräten rechtzeitig durch Absperrseile in verbotene Zonen verwandelt und streng bewacht wurden, um den Ausschank zu unterbinden. Wurde ein Landsknecht beim heimlichen Trinken oder Anzapfen der Branntweinfässer erwischt, hängte man ihn auf.
Aber dass Tilly ein geschworener Feind jeden Glücksspiels war, verzieh man ihm nie. Allen Drohungen zum Trotz wurde gewürfelt und Karten gespielt. Obwohl sich herumgesprochen hatte, dass Tilly seine Autorität auch mit drakonischen Mitteln durchsetzte: so ließ er ein wegen überfälliger Soldzahlungen meuterndes Dragonerregiment nach altrömischer Art dezimieren. Jeder zehnte Soldat musste heraustreten und wurde erschossen.
Solches Vorgehen dämpfte einige Zeit meuternde Gelüste - oder gab den letzten Anstoß zum Überlaufen in gegnerische Armeen. Hartmut Herbst [Diesen Artikel kommentieren | Alle Kommentare ansehen] Hagen Jung schrieb am 19.April.2004 - 18:07:33: |
Infos
![]() Tilly, Johann Tserclaes (1559 - 1632) Stadtteilzentrum Ricklingen (Freizeitheim Ricklingen)
Anne-Stache-Allee 7 (war: Ricklinger Stadtweg 1) 30459 Hannover Tel.: 0511 / 168-49595 Fax: 0511 / 168-49597 Homepage Stadtteilzentrum Infos Der 30-jährige Krieg - Eine Übersicht
Glaubenskämpfe oder Ein verhängnisvoller Sturz aus dem Fenster Text: FZH Ricklingen
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| [Online 01.03.2004] Letzte Änderung am 06.04.2005 | Diese Seite wurde hergestellt von Hettwer/Nöthel [Impressum] |