Fantastische Baustelle
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Neues von der Fantastischen Baustelle

workshop hannoverEin neues Jahr hat begonnen, und trotz der winterlichen Temperaturen geht es schon Ende Januar weiter auf der Fantastischen Baustelle: Jugendliche werden gemeinsam mit einem Bildhauer und einem Zimmermann einen Torbogen aus Holz errichten. Zeitgleich setzen die Seniorinnen aus dem Altenzentrum Karl-Flor in Wettbergen die Arbeit an den Holzschindeln für die Kuppel fort. In den Osterferien wollen die Hortkinder aus der Gronostraße eine kleine Sitzecke hinter dem Kuppelbau fertig stellen. Im Juni wird dann ein weiterer größerer Bauabschnitt errichtet: Schülerinnen und Schüler der Ricklinger Martin-Luther-King-Schule bauen und gestalten eine Kalksteinwand.

Im Jahr 2003 haben insgesamt 19 "Bausteine" stattgefunden, bei denen u.a. mitwirkten: Hortkinder, russische Sprachschülerinnen, Schülerinnen und Schüler der Hauptschule Ricklingen, Menschen mit Behinderung aus den Hannoverschen Werkstätten und dem Nils-Stensen-Haus, Bewohner des Karl-Lemmermann-Hauses in Ricklingen...

Alle gemeinsam haben dazu beigetragen, dass das Gemeinschaftskunstwerk hinter dem Freizeitheim Ricklingen Gestalt annimmt. Besonders schön ist der Fortschritt an der Betonwand rings um das Areal mit zu verfolgen. An den Mosaiken wird weiter gearbeitet, andere Abschnitte der Wand werden mit Fliesen und Tonkacheln versehen. Wir freuen uns auf ein ereignisreiches Jahr. Kommen Sie doch mal vorbei und schauen Sie selbst, was da los ist auf der Fantastischen Baustelle. Bis bald!

Sybille Linke, 23. Januar 2004

Stadtentwicklung ist Grenzüberschreitung
aus: Kultur! Zeitschrift für Soziokultur und kulturelle Initiativen in Niedersachsen. Nr. 49 November 2003

Nehmen wir mal an: Die Stadt sind wir. Dann hieße das: Die Stadt entwickelt sich in dem Maße, in dem wir uns entwickeln. Mit unserer Kreativität, unserer Urteilskraft, unserem Engagement. Wir Bürgerinnen und Bürger setzen uns mit der Stadt auseinander, in der wir leben. Ebenso wie wir erwarten, dass sich die Stadt (und damit auch Politik und Verwaltung) mit uns und unseren Interessen auseinandersetzt. Wir brauchen die Stadt, die Stadt braucht uns.

Dieses Modell des Austauschs setzt gegenseitige Offenheit voraus und die Bereitschaft, Grenzen (bürokratische und persönliche) zu überschreiten. Kunst und Kultur kann uns dazu in die Lage versetzen. Die aktive Auseinandersetzung mit Kunst, Tanz, Musik, Theater, die Erfahrung des eigenen schöpferischen Gestaltens sind im besten Fall Erfahrungen von Grenzerweiterung und vielleicht sogar Grenzüberschreitungen. Stadtentwicklung ist Grenzüberschreitung.

"Ich wusste gar nicht, dass ich so was kann." So äußerte sich letzten Herbst eine 80-jährige Bewohnerin eines Altenzentrums in Wettbergen, Teilnehmerin des Projekts "Fantastische Baustelle" in Hannover. Seit August 2002 entsteht im Stadtteil Ricklingen ein von Bürgerinnen und Bürgern künstlerisch gestaltetes Areal. Träger des Projekts ist der workshop hannover e.v., Zentrum für kreatives Gestalten, gemeinsam mit dem Bildungsnetzwerk FLUXUS. In diesem vom Kulturamt der Landeshauptstadt Hannover initiierten "Netzwerk für Lebens- und Berufsorientierung" geht es um neue Lernkultur, um lebenslanges und selbst bestimmtes Lernen und um die Vernetzung von Bildungsträgern. Der Name FLUXUS bezieht sich programmatisch auf eine Kunstrichtung der 70er Jahre, in der es um den fließenden Charakter zwischen ästhetischen und realen Bereichen ging - um Grenzüberschreitung im weitesten Sinn. FLUXUS soll die Vernetzung und Kooperation zwischen Angeboten der Stadt, der Stadtteil- und Soziokultur, der öffentlichen und außerschulischen Bildungseinrichtugen fördern, Strukturen flexibilisieren, Misstrauen abbauen, Gemeinsamkeiten stärken. Im ersten Projektjahr wurde die Fantastische Baustelle gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (im Rahmen des Programms "Lernende Regionen", den Fonds Soziokultur, das Kulturamt der Landeshauptstadt Hannover, die LAG Soziokultur Niedersachsen und den Stadtbezirksrat Ricklingen.

Auf der Fantastischen Baustelle können die Teilnehmenden lebendig und mit Spaß miteinander und voneinander lernen und selber schöpferisch tätig werden. Unterschiedliche Zielgruppen verschiedener Altersgruppen und Bildungsniveaus haben unter der Anleitung von KünstlerInnen und KunsthandwerkerInnen mittlerweile an über 20 Bauabschnitten mitgewirkt. Dabei konnten die bisher knapp 200 Teilnehmenden künstlerische und kunsthandwerkliche Techniken kennen lernen und anwenden. Die Seniorin z.B. hat gemeinsam mit 15 Altersgenossinnen ein sechsmal sechs Meter großes Sonnensegel für den Bauplatz bedruckt.

"Ein Gebilde voller Fantasie und Kreativität - so stellen wir uns die Architektur vor, die die Teilnehmenden des Projekts gemeinsam mit den KünstlerInnen erfinden und errichten sollen", beschreibt der künstlerische Leiter Burkhard Scheller das Projekt. Die Koordinatorin Sybille Linke fügt hinzu: "Wir verstehen das Projekt auch als einen Lernprozess für uns als Künstler, als Lehrende, als Einrichtung. Das Ziel ist, einen kreativen Prozess in Gang zu setzen und den Beteiligten, d.h. sowohl den Künstler/innen als auch den Teilnehmenden, neue (Lern-)Erfahrungen zu ermöglichen." Gestalt und Funktion der Baustelle verändern sich je nach den Vorstellungen, Bedürfnissen und Fähigkeiten der teilnehmenden Zielgruppen. Es entsteht ein Gemeinschaftskunstwerk, eine im Wortsinn "soziale Plastik". Die Arbeit daran ist ein dynamischer Prozess und auch noch nicht abgeschlossen. Daher werden sich weitere Bauabschnitte anschließen. Das Gesamtprojekt ist auf knapp vier Jahre konzipiert.

Fantastische Baustelle ermöglicht vielen unterschiedlichen Menschen, ihr Leben in ihrer Stadt mit zu gestalten. Im ersten Jahr haben u.a. mitgebaut: Schülerinnen und -schüler, straffällig gewordene Jugendliche, Seniorinnen, Menschen mit Behinderung, Lehrerinnen und Lehrer, Sehbehinderte, Berufsschüler, Hortkinder, MigrantInnen. Kooperationspartner waren Schulen, soziale Einrichtungen oder andere Bildungsträger (z.B. die VHS). Sie haben begonnen, Grenzen zu überschreiten, vielleicht sogar, sich zu entwickeln. Und damit ihre Stadt.

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 Infos
Direkt auf die Seiten über die Fantastische Baustelle mit http://fantastisch.fidele-doerp.de
workshop hannover e.v.
Lister Meile 4
Raschplatzpavillon
30161 Hannover
Tel.: 0511/344711
Fax: 0511/3888338
Email
Homepage
Projekt FLUXUS - Netzwerk zur Berufs- und Lebensorientierung
Stadtteilzentrum Ricklingen (Freizeitheim Ricklingen)
Anne-Stache-Allee 7 (war: Ricklinger Stadtweg 1)
30459 Hannover
Tel.: 0511 / 168-49595
Fax: 0511 / 168-49597
Email
Homepage
Stadtteilzentrum Infos
Kulturamt der Landeshauptstadt Hannover
Text: S. Linke

 


[Online 01.09.2003] Letzte Änderung am 06.04.2005Diese Seite wurde hergestellt von Hettwer/Nöthel [Impressum]
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